Tag 398 – Warum mag ich mein eigenes Kind nicht? – 2

5. Juli 2015

Dieser Blog ist eine Fortsetzung, für Kontext empfehle ich der Reihe nach zu lesen:
Tag 397 – Warum mag ich mein eigenes Kind nicht?

Als frischgebackene Mutter hatte ich widersprüchliche Gedanken in-mir. Man kann sie auf eine ziemlich einfache Weise zusammenfassen – positive und negative. Auf der einen Seite war ich euphorisch, weil ich ein Baby geboren habe, weil ich etwas im Leben ‘erreicht’ habe. Auf der anderen Seite war ich depressiv, weil ich mein gewohntes Leben ‘aufgeben’ musste, weil ich kaum Zeit mehr für mich selbst hatte, und all dies gekoppelt mit sehr wenig Schlaf. Nach einigen Monaten mit einem Baby wünscht sich eine junge Mutter nichts sehnlicher als eine Nacht mal durchschlafen zu können 😉

Auch ich dachte, dass es ‘normal’ ist dazwischen zu existieren. Alle Mütter haben solche oder ähnliche Gedanken. So ist das Leben nun einmal. Man kann nicht alles haben… usw.

Hinzukommt, dass ich mich für die negativen Gedanken verurteilt habe. Ich dachte ‘ich bin eine schlechte Mutter’, weil ich nicht ausschließlich positiv war.

http://www.mommyish.com/2011/10/07/the-things-im-really-fcking-tired-of-as-a-mom-830/

http://www.mommyish.com/2011/10/07/the-things-im-really-fcking-tired-of-as-a-mom-830/

Wir sind gewohnt Negatives mit etwas Positivem zu überlagern. Aber diese Überlagerung funktioniert nur für eine kurze Zeit. Deshalb bewegen wir uns ständig in diesem endlosen Kreislauf der Gefühle und Emotionen und sehen NICHT die reale Verbindung zwischen dem Positiven und Negativen. Euphorie kann es ohne Depression nicht geben.

Eine der besten Nachrichten die mir je zuteil wurde, war, dass ich nicht an meine Gedanken glauben muss. Es klingt banal, aber diese Nachricht und ihre Implemetierung hat mein Leben und meine Lebenserfahrung für immer verändert.

Ich habe erkannt, dass mein Innerer Konflikt, der Kampf mit mir Selbst, den ich in und als mein Bewusstsein ausgetragen habe, auf keinste Weise unterstützend war, es hatte keinen ‘konstruktiven’ Einfluss auf die Beziehung zu meinem Kind.

Kein Gedanke exisitert ‘einfach so’. Ein Gedanke, mag er noch so klein oder kurz sein, hat immer eine Auswirkung. Es ist unmöglich als Mutter in einer ständigen Euphorie / einem Glücksgefühl zu existieren. Es ist die Natur der Gefühle und Emotionen – der positiven und negativen Zustände – zu wandeln. Eine Seite als ‘realer’ als die andere zu betrachten ist einfach ignorant und eine Selbst-Lüge.

Wenn man sich das Kinderhaben anschaut, so wie es in unserer Gesellschaft propagiert wird, fällt es auch auf, wie sich die ‘Positive Phase’ fast ausschließlich auf die ‘Baby/Kleinkind-Phase’ beschränkt. Auch hier existiert ein übergeordneter Zyklus des Wandels. Je älter ein Kind wird, sagen wir ein Teen – desto negativer die Sicht. Wenn Frauen einen Kinderwunsch hegen, stellen sie sich kaum einen Teenie vor, oder einen Erwachsenen Menschen. Die Vorstellung von einem trotzigen 16-jährigen generiert kaum Glücksgefühle. Aber wie lange dauert die Baby-Phase an? Jeder der Mutter oder Vater geworden ist, weiß wie schnell es vorbei ist. Die längste Zeit sind unsere Kinder heranwachsend bzw. bereits erwachsen.

Und auch bei Kindern ist ein ähnlicher übergeordneter Zyklus zu sehen. Als Kinder glauben wir unsere Eltern wären unfehlbar, fast allwissend und absolut. Es gehört zum Erwachsenwerden die Fehlbarkeit der Eltern zu erkennen. Früher oder später fällt die Fassade und ab da wollen wir uns nichts mehr sagen lassen.

Ich bin mir wohl bewußt, dass viele Erwachsene später im Leben wieder einen gewissen Respekt den Eltern entgegenbringen, aber es ist wiederum eine Selbst-Täuschung, weil wir in gewisser Hinsicht erkennen, dass wir es auch nicht geschafft haben unser Leben ‘anders’ als unsere Eltern zu gestalten. Wir erkennen, dass wir exakt dieselben ‘Fehler’ gemacht haben/machen. Und so umarmen wir sie wieder, aber eigentlich umarmen wir uns Selbst in unserer Fehlbarkeit. Und wir nennen es menschlich – die menschliche Natur. Dann ist der nächste Zyklus vollendet, und die nächste Generation auf dem Weg, dieselben ‘Fehler’ zu reproduzieren.

Fortsetzung folgt…



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