Tag 394 – Es ist eine Hirnvenenthrombose!

15. Mai 2015

Ich wurde diese Woche nach einem zweiwöchentlichen Aufenthalt aus dem Krankenhaus entlassen. Damit geht für mich eine monatelange Zeit des Leidens zu Ende. Langsam komme ich im Alltag wieder an, bin auf dem Weg der Genesung und möchte mit dem Schreiben diese für mich sehr intensive und schmerzvolle Zeit aufarbeiten, für mich zusammenfassen und mitteilen was mir erfahren ist und vorallem was ich über mich Selbst gelernt habe.

Ich habe eine Hirnvenenthrombose gehabt, die eine lange Zeit nicht als solche erkannt, sondern für ein Halswirbelsäule-Syndrom gehalten wurde.

http://stroke.ahajournals.org/content/42/4/1158/F2.large.jpg

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Ich habe im März darüber geschrieben, wie ich eines Morgens im Januar diesen Jahres mit einem steifen Nacken aufgewacht bin. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass dies der Anfang der ganzen Thrombose-Geschichte war, jedoch hatte ich bis dahin nie größere gesundheitliche Probleme gehabt. Es war das erste mal, dass mir etwas für einen längeren Zeitraum als 1-2 Tage lang weh tat. Es war das erste mal in meinem Leben, dass ich chronische Schmerzen hatte. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich da bereits die Thrombose hatte, ich kenne mich auch zu wenig mit der menschlichen Anatomie aus, um sagen zu können, über welchen Zeitraum sich Hirnvenenthrombosen entwickeln. Ich habe dazu im Netz auch keine eindeutigen Aussagen finden können. Für mich markiert jedoch dieses Ereignis den Anfang meiner Erfahrung.

Ich war damals im Ausland, unversichert, und so behalf ich mir selbst wie ich nur konnte. Nach einer Woche ließen die Schmerzen nach und zurück blieb ein leichtes morgendliches Unwohlsein, eine leichte Nackensteifigkeit. Zurück in Deutschland ging ich zu einem Chiropraktiker. Ich habe 2012 die Chiropraktik kennen und schätzen gelernt und besuchte 1-2 mal im Jahr einen Chiropraktiker auf.  Nach einer Einrenkung fühlte ich mich immer ‘erleichtert’ und wieder ‘im Lot’, doch diesmal war es eine schmerzvolle Erfahrung, und es brauchte mehrere Tage bis sich der Schmerzlevel wieder dahin zurück entwickelt hat, wo er vor der Chiropraktik war. Ich verstand nicht so recht, was los ist, bzw. was sich verändert hat und wunderte mich einwenig, warum ich dieses mal ganz anderes auf die Einrenkung reagiert habe.

Ich kann von heute aus betrachtet überhaupt nicht verstehen, warum ich eigentlich nicht eher was unternommen habe. Es erschreckt mich, wie ich nur bereit sein konnte, diesen wenn auch leichten Dauerschmerz einfach hinzunehmen und ihn als ‘normal’ zu akzeptieren, wo ich doch zuvor niemals Schmerzen kannte. Es ist interessant, wie ich mich langsam mit dem Gedanken anfreundete, dass ich alt werde, und das Schmerzen zum Altsein dazugehören.

Die Schmerzen wurden nach und nach stärker. Sehr langsam. Ich spürte sozusagen keinen Unterschied von Tag zu Tag, aber über Wochen. Nach zwei Monaten Mitte März beschloss ich zum ‘richtigen’ Arzt zu gehen, weil sich das morgendliche Unwohlsein zu einem Qualvollen Aufstehen und durch den Tag kommen entwickelt hat.

Ich suchte einen Orthopäden auf, der Muskelverspannungen diagnostizierte und es auf meine ungesunde Haltung bei der Arbeit zurück führte. Er hat ein MRT der HWS (Halswirbelsäule) machen lassen, das überhaupt keine Rückschlüsse brachte. Meine HWS war in bester Ordnung. Ich nahm Muskelrelaxantien ein, bekam eine Physiotherapie doch geholfen hat es nicht. Mein Zustand verschlimmerte sich einfach weiter.

Ich war inzwischen schon ziemlich verzweifelt. Ich gab die Hoffung auf, dass es jemals besser werden würde. Ich glaubte, dass ich mich an chronische Nackenschmerzen gewöhnen muss, oder dass ich meinen Job wechseln muss. Und dass ich von nun an immer mit Schmerzen würde leben müssen.

Ein Monat später Mitte April wachte ich an einem Samstag mit extremen Kopf- und Nackenschmerzen auf. Ich kann den Ausmaß der Schmerzen nicht beschreiben. Mein Kopf fühlte sich an, als ob es jeden Augenblick platzen würde. Schmerzmittel hatten überhaupt keine Wirkung. Ich ging in die Notaufnahme und wurde abgewiesen, Kopfschmerzen seien kein Grund aufgenommen zu werden, ich sollte am Montag zum Hausarzt gehen.

Ich war bis Montag morgen – 48 Stunden lang – in einem Schmerz-Delirium, das man sich nicht ausmalen kann. Ich habe auch darüber einen Blog geschrieben. Die Schmerzen waren so unerträglich, dass ich mir gewünscht habe, jemand würde mir den Kopf abhacken.

Am Montag morgen ging ich zu meinem Orthopäden, der es für eine Entzündung der Nerven hielt und mir eine Cortisionkur verschrieb. Wenn ich heute darüber denke, wird mir klar wie stark mein Körper wirklich ist, mein Gehirn stand unter enormen Druck wegen einer Durchblutungsstörung in einer Vene, der Blutabfluss war wegen eines Blutgerinsels verhindert. Mein Kopf fühlte sich deshalb so an, als ob es jeden Augenblick platzen würde, weil es tatsächlich so war. Das Cortison unterdrückte die Schmerzen, und ließ vermuten, dass es mir ‘besser’ geht. Doch nach einer Woche began sich mein Zustand wieder zu verschlechtern und es tauchten Symptome auf, die keinerlei Zweifel mehr daran ließen, dass der Grund meiner Schmerzen ein anderer sein muss. Wegen des Drucks in meinem Gehirn / auf meine Sehnerven begann ich Doppelbilder zu sehen, meine Ohren waren zu, neurologische Auffälligkeiten tauchten auf, ich wurde immer ‘langsamer’, ich hatte so genannte fokale Epilepsieanfälle mit Taubheitsgefühlen und Lähmungserscheinungen.

Es dauerte also noch einmal zwei Wochen bis mit einem CT die Hirnvenenthrombose entdeckt wurde und ich endlich die entsprechende Behandlung bekam.

Ich nehme nun seit drei Wochen ein blutverdünnendes Medikament ein, das die Thrombose auflösen soll/wird. Die Kopfschmerzen haben aufgehört und der Druck läßt langsam nach. Ich bin in meinen Reaktionszeiten noch minimal verlangsamt, doch es geht mir jeden Tag merkbar besser.

Ich werde in kommenden Blogs die psychologischen / mentalen Erfarhungen ausschreiben, die ich in dieser Zeit durchgegangen und erlebt habe, denn aus einer gewissen Hinsicht, war diese Hirnthrombose das Beste was mir hätte passieren können – ich habe soviel über mich Selbst und über meinen Körper gelernt.

 

 



2 comments

  1. Hallo Aga, ein sehr eindrücklicher Bericht.
    So wie Du es beschreibst ist der Kardinalfehler im Krankenhaus gemacht worden wo man Dir sagte, dass Kopfschmerzen kein Grund zur Aufnahme sind. Das ist zwar richtig. Aber: Ein in Qualität, Quantität oder in der individuellen Krankengeschichte neuartiger Kopfschmerz ist eine unbedingte Indikation für eine cerebrale Bildgebung.
    Ich selbst bin Fachrztin für Neurologie und bereite gerade einen Vortrag über Sinusthrombosen für meine Kollegen vor. Aus meiner klinsichen Erfahrung habe ich mindestens drei Patientienten die „nur“ mit Kopfschmerzen ohne fokalneurologische Defizite kamen und am Ende war es einmal eine Sinusthrombose, einmal Subarachnoidalblutung und einmal eine Hirnentzündung durch einen Pilz (sehr ungewöhnlich).
    Leider höre ich immer wieder solche Geschichten, dass insbesondere Kollegen aus der Inneren Medizin und der Chirurgie, also den Fachrichtungen die es eigentlich in jedem Krankenhaus gibt, das Symptom Kopfschmerz etwas leichtfertig abhandeln.
    Es ist allerdings schön zu sehen, dass es Dir besser geht. Ich hoffe Du schreibst weiter so beeindruckende Blogposts!!!

    1. Hallo Cori, ich habe damals meinen Glauben an Ärzte verloren, doch mit der Zeit erkannt, dass Ärzte auch nur Menschen sind und ich sie nicht alle über einen Kamm scheren kann. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar und hoffe, dass ich bei meinem nächsten Krankenhausbesuch – möge er in weiter Ferne liegen – auf einen Arzt/Ärztin wie dich treffe.

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