Tag 362 – Schäm Dich!

12. Mai 2014

shame_invIch habe mit einem Kleinkind Zeit verbracht. Es ist noch ziemlich stürmisch und unbedacht, und so hat das Kind beim rumalbern etwas umgeschüttet. Ich habe völlig automatisiert eine Reaktion ausgelebt, habe das Kind mit einem bestimmten Blick angeschaut. Mein ganzes Wesen drückte die Worte “Schäm Dich!” aus. Ich habe sie gar nicht aussprechen müssen. Das Kind reagierte dann entsprechend auf meine Reaktion, und schaute mich mit diesem traurigen Blick an. Das hat mich daran erinnert, wie ich mich als Kleinkind gefühlt habe, wenn ich etwas ‘falsch’ gemacht habe.

Dieses Verhalten ist ein Beispiel dafür, wie wir als Erwachsene unsere Kinder ‘verderben’ und sie ‘kleinmachen’. Denn was bewirken wir eigentlich mit dieser Art von Reaktionen? Bringen wir ihnen etwa bei, beim nächsten Mal bedächtiger und vorsichtiger zu sein? Wahrscheinlich schon, aber das Motiv des Kindes wird ANGST sein. Wir konditionieren unsere Kinder mit Emotionen und Ängsten.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe automatisiert wütend zu werden, als das Kind etwas verschüttet hat, nur weil ich selbst so konditioniert wurde, dass es ‘falsch’ ist, etwas zu verschütten, und dass eine ‘negative’ Reaktion auf ein solches Ereignis völlig ‘normal’ ist.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe zu glauben und zu denken, dass ich mich schämen muss, wenn ich etwas verschütte, ohne mir erlaubt zu haben zu sehen und zu erkennen, dass ich so konditioniert wurde und ich diese Konditionierung als-mich Selbst akzeptiert und erlaubt habe.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe zu glauben und zu denken, dass ich einem Kind mehr Verantwortung beibringe, wenn ich auf etwaige ‘Verantwortungslosigkeiten’ auf eine bestimmte emotionale Art reagiere, dabei lernt das Kind alles andere nur keine Selbst-Verantwortung – ich bringe dem Kind NICHT bei, dass fahrlässiges Verhalten Konsequenzen haben kann, sondern dass es ANGST haben muss, vor den Reaktionen seiner Mitmenschen.

Ich realisiere, dass ich ein Resultat einer solchen Erziehung bin. Wenn ich glaube etwas falsch gemacht zu haben, habe ich ANGST vor den Reaktionen, mein Fokus liegt immer mehr auf den Reaktionen, als auf dem was ich tatsächlich physisch ‘falsch’ gemacht habe. Ich denke nicht darüber nach, wie ich es ‘ausbessern’ könnte, wie ich eine Lösung finden könnte – meine ‘scheinbare’ Lösung ist immer, wie ich es vor den Anderen verbergen oder rechtfertigen kann, was ich gemacht habe.

Ich realisiere, dass es unhaltbar ist, dass ich Kinder mit meinen ÄNGSTEN infiziere.

Ich verpflichte mich, mich zu unterstützen und innerhalb solcher Ereignisse zu verlangsamen, und den Fokus wieder auf die Physische Realität zu legen, sprich was ist passiert und wie kann man es wieder richten.

Ich realisere, dass wenn ich diese Korrektur als-mich lebe, ich ein besseres Beispiel für Kinder bin. Ich bringe ihnen nicht bei irgendwelche Reaktionen zu generieren, sondern die Verantwortung für das Selbst auf eine praktische Weise zu tragen.

Wenn beim nächsten Mal ein Kind etwas verschüttet, oder aber ich Selbst – korrigiere ich mein Verhalten, ich werde mich nicht dafür ‘schämen’ oder verlangen, dass das Kind sich ‘schämt’ – ich werde entsprechend handeln, und schauen, dass das Verschüttete weggewischt oder gesäubert wird, ohne dass ich unnötigerweise unnütze Emotionen darin kreiere.



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