Tag 350 – Emotionale Bindung zu meinem Geldbeutel

19. März 2014
http://8025glome.deviantart.com/art/Redemption-159827929

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Ich habe mir heute einen neuen Geldbeutel gekauft. Nachdem ich mit dem Umzug meiner Karten, Münzen, Geldscheine und Visitenkarten fertig war, habe ich einen Moment innegehalten und mich schlecht gefühlt. Ich wollte den alten Geldbeutel wegwerfen, konnte es aber doch nicht tun. Irgendwie wollte ich ihn noch nicht loslassen. Ich habe mir dieses sich ‘Schlecht Fühlen’ noch einmal angeschaut, es war so, dass mir der alte Geldbeutel ‘leid’ tat. Es ist fast so, als ob er für mich eine Person ist – ein Freund – mit dem ich ‘grundlos’ Schluss mache, ‘nur’ weil er nicht mehr so schön aussieht, ‘beende’ ich die ‘Beziehung’. Es war auch ein Hauch von Trauer dabei, weil diese ‘Beziehung’ zu Ende geht. Eine Art Nostalgie, weil alles einen Anfang und ein Ende hat. Dieses ‘Ende’ stimmte mich traurig.

Ich dachte bereits öfters in der Vergangenheit daran mir einen neuen Geldbeutel zuzulegen. Weil sich die Nähte langsam auflösten, und mein alter Geldbeutel eigentlich auch kein Geldbeutel war, sondern ein größeres Schlüsseletui mit zwei Fächern. Ich musste immer umständlich den ganzen Inhalt rausholen, um an bestimmte Sachen oder Münzen zu kommen. Der Platz für all die Karten und Ausweise reichte auch kaum aus, jedenfalls wurde das Rumkramen in meinem Geldbeutel zu Gewohnheit. Ich mochte es gerade deshalb. Es war immer ein Überraschungsmoment da, weil ich nicht wirklich wußte, was sich da eingetlich in meinem Geldbeutel noch ‘versteckte’.

Eben gerade beim Schrieben des letzten Satzes, ist eine Erinnerung aus meiner Kindheit aufgetaucht. Ich habe einmal einen alten Geldbeutel meiner Mutter gefunden. Es war ein einfacher, klassischer Ledergeldbeutel, auch nicht besonders groß. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt wußte, wozu Geldbeutel da sind. Ich war begeistert von den vielen ‘Verstecken’, die so ein Geldbeutel hat. Am Innenrand war eine Zahl mit einem Kugelschreiber vermerkt – ein Tausend – ‘1000’. Ich fragte meiner Mutter nach dieser Zahl und was sie zu bedeuten hatte. Meine Mutter erklärte mir, dass es ihr allererster Geldbeutel war, den sie sich gekauft hat, als sie mit ihrer Arbeit anfing, und die Zahl ‘1000’ war ihr allererstes Gehalt.

Den Zusammenhang zwischen Geld, Gehalt, Arbeit und Überleben habe ich noch nicht begriffen, eins aber war mir klar – ein Geldbeutel war eine ‘Schatzkammer’.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe die Emotion Trauer und Schlechtes Gewissen zu verkörpern, als ich daran dachte, dass ich jetzt den alten Geldbeutel nicht mehr brauche und ihn wegwerfen werde.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, wie ich mich selbst in diesem alten Geldbeutel gespiegelt habe, als die Emotion des Mitleids in mir und als mich auftauchte, und mir der Geldbeutel ‘leid tat’, denn eigentlich würde es mir ‘leid tun’, wenn mich jemand nicht mehr brauchen und wegwerfen wollte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe zu glauben und zu denken, dass ich eine persönliche Beziehung zu dem Geldbeutel habe, ohne zu realisieren, dass das was ich für eine Beziehung hielt, eigentlich nur meine eigenen Ängste waren, die Angst davor alt, unbrauchbar, unnötig zu sein.

Darin vergebe ich mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe Angst davor zu haben alt und unbrauchbar zu sein, ohne zu sehen, zu erkennen und zu verstehen, dass ich diese Angst nur deshalb habe, weil ich selbst ältere Menschen verurteile, dass sie ‘alt’ und ‘unbrauchbar’ sind.

Darin vergebe ich mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe das Wort ‘Alter’ mit negativen Emotionen zu verknüpfen, weil ich erfahren und gehört habe, wie je älter Menschen werden, desto mehr jammern sie darüber, dass sie ‘älter’ werden.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, dass meine angebliche ‘Bindung’ an meinen Geldbeutel, warum ich ihn nicht einfach so wegwerfen wollte, meine ur-eigene Angst vor dem Alter, Altern,  dem Tod und dem Abschied ist, und diese Bindung/Beziehung rein gar nichts mit dem Geldbeutel zu tun hat.

Ich werde mir im nächsten Blog – den Punkt Abschied vornehmen.

Bis dahin verpflichte ich mich die Projektionen, die ich in meinem alten Geldbeutel gesehen habe, und die ich für ‘real’ geglaubt habe zu hinterfragen und alle emotionalen Bildungen aufzulösen, weil ich sehe, erkenne und verstehe, dass diese keine ‘reale’ Beziehung zu meinem Geldbeutel sind/waren, sondern meine eigenen Ur-Ängste – mein Geldbeutel hat mir sozusagen als Spiegel gedient, mich Selbst, meine Ängste zu erkennen.

 



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