Tag 344 – “Information sollte frei sein”

22. Februar 2014

assange1
Es gibt einige Bewegungen auf der Erde, die sich ‘Informationsfreiheit’ zum Ziel gesetzt haben. Staatsgeheimnisse, Korruptionsaffären, Kriegsverbrechen, Skandale, Lügen und Verschwörungen werden aufgedeckt, mit der Behauptung, dass die Bürger das ‘Recht auf die Wahrheit’ hätten.

Und immer wieder taucht der Satz auf, dass es die Welt verändern wird. Wenn die Bürger einmal wissen, was wirklich vor sich geht, werden sie es nicht mehr akzeptieren. Wenn die ‘Geheimnisse’ einmal offenbar werden, wird die Welt zu einem besseren Ort werden. ‘Die Wahrheit’ scheint der Schlüssel zu einer besseren Zukunft zu sein.

Womöglich ist es so. Aber müßten dann nicht ALLE Lügen und Geheimnisse aufhören? Steht es nicht geschrieben ‘Wer ohne Sünde ist, soll den ersten Stein werfen’? Sind all diejenigen, die bei diesen Enthüllungen vorgeführt werden, denn so viel anders als WIR? Machen sie etwas, was WIR etwa nicht machen oder machen würden, wenn wir in ihrer Lage wären?

Ein gutes Beispiel ist die Nahrungmittelherstellung. Gibt es noch eine Menschenseele in Deutschland, die nicht weiß welches Leid, Chemikalien, Medikamente, Genetische Modifikationen, Gifte oder Keime sich in unserem Essen verbergen können? Enthüllungen und Lebensmittelskandale gehören schon fast zum Alltag. Wollen wir wirklich wissen, was in unserer Wurst wirklich steckt? Wollen wir wirklich die dreckigsten Geheimnisse dieses Planeten kennen? Oder ist es viel mehr so, dass wir es schon längst vermuten, weil sie sich von unseren eigenen im Wesen kaum unterscheiden.

Ich frage mich, wie kann man mehr ‘Privatsphäre’ im Internet und Datenschutz fordern, Facebook und NSA beschimpfen, aber gleichzeitig für Informationsfreiheit sein? Wo ist die Trennlinie zwischen ‚privat‘ und ‚öffentlich‘? Wir wollen doch weiter schwarz Geldverdienen, eine Geliebte, ein schweizer Bankkonto, einen Job mit Vitamin B, unter Umständen auch eine Fahrerflucht und einen toten Vogel am Zaun des Nachbars ablegen können. Das eigentliche Problem ist doch nicht die Information und ihre Geheimhaltung oder der feine Unterschied zwischen ‚privat‘ und ‚öffentlich‘ – das Problem ist der Mensch. Jeder von uns hat seine geheimen und geheimsten Gedanken. Haben Sie schon daran gedacht, was wäre, wenn ihre Schwiegermutter erfahren würde, was Sie wirklich über sie denken? Oder wenn Ihr Chef Ihre Gedanken lesen könnte?

Wir haben es als Menschen zu unserer Natur gemacht, das ‘Bösartige’ zu verstecken, anstatt es von vornherein vorzubeugen. Wenn wir zum Beispiel einen Fehler machen, verschweigen wir es sobald wir glauben, dass es niemand anderes mitbekommen hat. Einen Vorteil geben wir auch nicht einfach so auf, wir sind so ignorant, dass wir gar nicht sehen (wollen), dass der Vorteil des einen, der Nachteil des anderen ist. Warum erwarten wir etwas anderes, ‚besseres‘ von Menschen, die in Regierungsfunktionen oder Machtpositionen sind? Glauben wir wirklich, dass Politiker an die Macht kommen, weil sie moralisch so viel ‚besser‘ als der Durchschnittsmensch sind?

Sind Sie bereit für die Informationsfreiheit?

Ich möchte hier klarstellen, dass dieser Blog weder ein Für noch ein Kontra ist. Informationsfreiheit ist die logische Abfolge unserer Entwicklung. Ja mehr unser Leben digitalisiert wird, desto öffentlicher wird es werden. Ich möchte auf die Gründe hinweisen, wie und warum so etwas wie ‘Geheimnisse’ entstehen. Sie zu bekämpfen oder zu enthüllen wird keine realen und nachhaltigen Änderungen herbeiführen, schon gar nicht auf der System-Ebene, solange nicht jeder einzelne von uns bereit ist, die eigene ‘Menschliche Natur’ der ‘Geheimhaltung’ zu hinterfragen. Im Digitalen Zeitalter wird sich jeder einzelne von uns seiner ‘Dunklen Seite’ stellen und sich selbst fragen müssen, was bin ich bereit zu akzeptieren und mir zu erlauben, wenn ich vor den Augen aller leben müßte. Wir werden es aufgeben müssen, das ‘Bösartige’ in uns zu verstecken, den Mut haben es zu enthüllen, es uns selbst gegenseitig zu vergeben und unsere Lebensweise so anzupassen, dass es nicht mehr wieder vorkommt. Nur so wird die Information wirklich ‘frei’ sein können und dürfen, auch weil sie von der ‘Bösartigkeit’ befreit worden ist.



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