Tag 334 – Pflegen und Hegen (engl. Care)

26. Januar 2014
http://wings-of-dust.deviantart.com/art/Astronomy-72321463

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Ich möchte mit dem Punkt/Thema ‘Pflege’ (engl. Care) weiter fortfahren. Ich habe lange nach der passenden Übersetzung gesucht, im Deutschen gibt es viele Wörter, die für das englische ‘care’ stehen, keines davon deckt sich jedoch mit dem Wort völlig überein. Im Deutschen haben die Vorschläge ‘sich kümmern’ oder ‘sich sorgen’ einen negativen Touch, den das Wort ‘care’ nicht hat. ‘Behüten’ oder ‘Pflegen’ kommen dem Ganzen schon näher, werden aber im Deutschen in diesem Zusammenhang nicht wirklich benutzt. Ich habe mich für ‘Pflegen’ entschieden, weil es tatsächlich eine ‘reale’ Handlung ist und kein Gefühl, ich werde jedoch bei Bedarf auf andere Übersetzungen zugreifen – damit meine ich aber grundsätzlich diesen einen Punkt.

In der Sich um etwas kümmern Reihe ist mir deutlich geworden, dass ich das Wort ‘pflegen/hegen’ mit der Emotion des ‘Mitleids’ konditioniert habe. Die Arbeit meiner Mutter als Krankenschwester und die Zeit, die ich als Kleinkind mit ihr im Krankenhaus verbracht habe, hat sicherlich einen Teil dazu beigetragen, auch wie sie das Wort zu Hause ausgelebt hat. Es ist schon faszinierend, wie ich mich dazu konditioniert habe ‘Pflege’ abzulehnen, und wie ich daraus eine Persönlichkeit erschaffen habe, die ich als ‘Ich brauche niemanden/Das schaffe ich schon alleine’ beschreiben möchte. Man kann diese ‘Einstellung’ durchaus ‘Selbstständigkeit’ nennen, und doch hat diese meine ‘Selbstständigkeit’ im Laufe der Jahre aufgezeigt, dass es keine echte ‘Selbstständigkeit’ ist, sondern eher eine Trennung und Separation – eine auf Konflikt basierende Beziehung innerhalb von mir selbst und innerhalb meiner ‘Externen Welt’.

Diese Polarität kann ich auf folgende Weise zusammenfassen. Wann immer ich in einer Situation bin, in der ich Hilfe/Unterstützung/Pflege benötige, erlebe ich einen Widerstand. Manchmal äußert er sich damit, dass ich mich  ‘schäme’ um Hilfe zu fragen oder offen den Wunsch nach Pflege/Nähe auszudrücken, manchmal habe ich ‘Angst’ zu fragen, manchmal sehe ich es als ‘viel zu aufwändig’, manchmal als ‘störend’, manchmal ‘will ich es einfach nicht’, manchmal denke ich ‘ich störe’, manchmal denke ich ‘keiner kümmert sich eh um mich’. Es gibt multiple Wege für mich die Hilfe/Zuwendung/Pflege zu sabotieren.

Auf der anderen Seite ist es so, dass wenn ich mir meine Beziehungen anschaue, warum ich Beziehungen anstrebe, was der Inhalt meiner Begehren ist: Es ist der Wunsch nach Pflege/Unterstützung. Ich bin in dieser Hinsicht ziemlich schizoid. Wenn mir Pflege entgegengebracht wird, lehne ich sie ab, weil ich mich ‘bemuttert’ und ‘eingenommen’ und ‘bevormundet’ und geradezu ‘gefährdet’ fühle – dabei trage ich ständig unterschwellige Vorwürfe in mir, dass sich ‘keiner um mich kümmert’, ‘nicht ausreichend um mich kümmert’, dass ich ‘alleine gelassen bin’.

Ich reagiere zum Beispiel auf Frauen, die Hausfrauen und Mütter sind. Wenn ich eine solche Frau sehe oder glaube zu sehen, entfaltet sich automatisch eine ganze Interne Welt in mir, die aus Internen Selbstgesprächen, Emotionen und Verhaltensmustern uvm. besteht. Ich werfe solchen Frauen vor, dass sie ‘unselbstständig’ und irgendwie ‘dumm’ sind, dass sie sich von einem Mann ‘abhängig’ machen. Wenn ich hinter die Fassade der Vorwürfe und Bewertungen blicke, wird der ‘Neid’ sichtbar. Eigentlich sehe ich nichts anderes als meinen eigenen projezierten ‘größten Wunsch’ und werfe den Frauen vor, dass sie etwas haben, was ich nicht haben kann.

Dieser Punkt, ist ein ziemlicher Brocken für mich. Ich werde mir in den kommenden Blogs immer nur einen Punkt aufgreifen und ihn durchlaufen und schauen wohin mich die Reise führt.

 



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