Tag 322 – Die Energie der Einsamkeit (Energy of Loneliness)

1. Januar 2014
http://www.deviantart.com/art/loneliness-and-sky-66412662

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Vor vielen Jahren, als ich noch ziemlich jung war, hat mich meine Mutter eines Abends kurz alleine zu Hause gelassen und ihre Freundin besucht, die ein Haus weiter gewohnte. Ich habe verzweifelt versucht meine Mutter davon zu überzeugen mich mitzunehmen. Sie tat es nicht. Als sie weg war, habe ich mich in einen Angstzustand hochgesteigert. Ich knipste überall das Licht an, und redete mir ein, ich hätte Angst im Dunkeln und alleine zu sein.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich aber überhaupt keine Angst vor dem Alleine sein. Ich wollte mitgenommen werden. Für mich war es viel mehr der Punkt der Unterhaltung, der eine Rolle spielte. Ich habe mir draussen mit meiner Mutter viel mehr Spass erhofft und war enttäuscht als mir klar wurde, dass meine Mutter eine andere Vorstellung von Spass hatte, für sie als eine Alleinerziehende Super-Gestresste bedeutete Spass, mal einen Augenblick ohne mich zu haben. Ich habe es damals nicht so gesehen. Dieser Level an Selbstreflexion und Empathie war mir damals fremd – ich dachte nur an mich und den Spass, der mir zu entgehen schien.

Und so habe ich (unter anderem) die ‘Energie der Einsamkeit’ entdeckt, als eine Möglichkeit vielleicht doch noch meine Mutter davon zu überzeugen, mich mitzunehmen und mich nicht alleine zu lassen. Ich habe eine Rechtfertigung und einen Grund erfunden, warum meine Mutter mich praktisch mitnehmen musste. Ich habe das Alleinsein abgelehnt, es ‘negativ’ bewertet, aufgeladen und es zur ‘Einsamkeit’ konvertiert.

Was mir in meinem Prozess klar wird, ist dass: WIE und WER ‘Ich’ als ein ‘Individuum’ bin, wie ich mich auslebe und ausdrücke und somit auch meine Lebens-Erfahrung tatsächlich selbst erschaffe. Und wie ich durch die ständige Konditionierung, welche faktisch immer eine Selbst-Konditionierung ist, mein Dasein automatisiere. Denn heute, mit meinen 36 Jahren, mache ich nichts anderes. Ich wiederhole die ‘alten Muster’. Der einzige Unterschied ist, dass ich mich in einem solchen Maße mit diesen Mustern selbst identifiziert habe (ich könnte auch ‘infiziert’ sagen), dass sie für mich buchstäblich selbst-verständlich sind. Ich habe längst vergessen, dass ich einst der Erschaffer der ‘Einsamkeits-Erfahrung’ war – heute erlebe ich mich selbst fast schon wie ein ‘Opfer der Einsamkeit’. Die Erfahrung ‘lastet’ auf mir. Wenn ich mir über mein ‘Alleinsein’ ‘bewußt’ bin, kommen die automatisierten Abläufe/Programme/Muster von Neuem auf, ich ‘spiele’ / ‘verkörpere’ die Erfahrung der ‘Einsamkeit’ von Neuem aus.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe das Alleinsein (All-Ein-Sein) negativ zu bewerten und es negativ aufzuladen, weil ich damit meine Mutter dazu manipulieren wollte, mich zu ihren Freundinnen mitzunehmen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe mir einzureden, dass ich Angst vor dem Alleinsein habe, ohne zu realisieren, dass wenn ich einmal eine solche Beziehung mit und zu mir selbst erschaffe und diese als mich Selbst akzeptiere, ich damit auch gleichzeitig ein ‘Einsam-Sein’ als eine Selbst-Erfahrung in Kauf nehmen muss – also gewissermaßen eine ‘Illusion’ tatsächlich ‘wahr’ mache.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe mich bewußt in einen Angstzustand hochzusteigern, ohne zu sehen, erkennen oder verstehen, dass dies wirklich und wahrhaftig ein Punkt meiner Selbst-Erschaffung ist, wo ich aus meinem Physischen Körper heraus und mit meinem Physischen Körper – Energie generiere, die ich dann als eine ‘Energetische Erfahrung’ benutzen und erleben kann.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu sehen, erkennen und verstehen zu wollen, dass die ‘Erfahrung der Einsamkeit’ eigentlich nicht im ‘Externen’ begründet, sondern alleine aus mir selbst hervorkommt/entsteht – weil es nicht so war, dass ich mich ‘einsam’ fühlte, WEIL meine Mutter ohne mich wegging, sondern ich MACHTE und erschuff erst die Erfahrung als mich, damit ich diesen Punkt der Manipulation gegen meine Mutter einsetzen/benutzen konnte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, dass es hierbei überhaupt nicht um ‘das Alleinsein’ geht, sondern eigentlich um ‘Unterhaltung’ bzw. die ‘Energie der Unterhaltung’ – die Aufregung, der Spass – oder genauer genommen um die ‘Vorstellung’ hiervon, die ich mir in meinem Bewustsein ausmalen kann – als Hoffnung – und dass ich eigentlich ‘gierig’ nach dieser ‘Energie der Unterhaltung’ war.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe, mir Vorstellungen von Spass und Unterhaltung in meinem Bewußtsein auszumalen, ohne zu realisieren wie ich als ein System agiere und nach ‘positiver Energie’ lächtze, die ich glaube im ‘Externen’ finden/erleben zu können, wo ich doch in Einheit und Gleichheit als mich Selbst IMMER HIER Spass und Unterhaltung haben kann – mit mir, als mich – weil ich ohnehin der Erschaffer meiner eigenen Selbst-Erfahrung bin.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, wie ich als ein ‘Bewußtseins-System’ immer das Physische Hier ablehne und verurteile, mich davon separiere und auf andere projeziere – damit mit ‘Absicht’ die Möglichkeit wahrer Selbst-Erkenntnis und Selbst-Erfüllung boykottiert wird.

Ich verpflichte mich, wann immer ich die Erfahrung der Einsamkeit erlebe – mich sofort zu stoppen, zu atmen – und mich auf mein Schreiben hier zu entsinnen. Und vorallem die Hintergründe dieser Erfahrung zu erforschen. Weil – was habe ich hier beim Schreiben von mir selbst gelernt? Ich setzte die Erfahrung und die Energie der Einsamkeit als einen Punkt der Manipulation ein – und so verpflichte ich mich zur radikaler Selbst-Ehrlichkeit und der Erforschung der Frage: Warum wähle ich ein solches Mittel aus? Welchen Zweck verfolge ich insgeheim mit dieser Vorgehensweise? Was versuche ich zu erreichen? Welche Person versuche ich womöglich zu manipulieren? An welchen Hoffnungen und Vorstellungen hafte ich immer noch? Welche versteckten Begehren verfolge ich?

Ich realisiere, dass ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Energie-Roboter bin, was so viel heißt, dass ich mir auf der ‘bewußten Ebene’ meiner selbst, all diese Punkte oftmals nicht eingestehen will und ich diese ‘Erfahrung der Einsamkeit’ derart perfektioniert und automatisiert habe, dass ich mich mit Hingabe, Geduld und Disziplin diesen Fragen widmen muss, um an den Kern dieser Erfahrung zu kommen – den Punkt, wo ich selbst bestimme, wie ich mich lenke und auslebe und dass ich in Zunkunft in Augenblicken der Entscheidung, nicht die Energie der Einsamkeit wähle, sondern mich Selbst – und das Alleinsein wieder als das erleben kann, was es von Anfang an war – einfach Hier mit und als mich Selbst zu sein.



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