Tag 288 – Morgenstund hat Gold im Mund

9. Oktober 2013
http://www.deviantart.com/art/Sleeping-146143950

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Ich habe eine bestimmte Morgenroutine, einen Imagination, die ich nach jedem Aufwachen einleite und ausspiele. Mein Prozess ist bislang ziemlich erfolgslos gewesen. Ich kann behaupten, dass ich so ziemlich alle Stadien durchgegangen bin. Als ich mir über diese Morgenroutine bewusst wurde, die systematische Wiederholung, jeden Morgen das selbe Spiel, das selbe Muster. Jeden Morgen! Das ist schon erschreckend. Auch als ich feststellen musste, dass ich mit dieser Routine nicht einfach so aufhören kann. Die morgendliche Energie-Spritze ist wie eine verlockende Honigwabe voller Süßer Versprechen und ich ein Süchtiger. Ich habe bis jetzt immer eine Ausrede gefunden, warum ich ‘noch nicht’ darüber schreiben will und kann: weil ich nicht wie ein Versager dastehen wollte. Dabei ist es doch eher ein Nicht-Wahr-Haben-Wollen was IST.

Ich habe diese Routine heute unterdrückt. Ich habe die auftauchenden Bilder weggeschoben und ignoriert. Das Ergebnis war, dass mich diese angestaute Energie nie verlassen hat, und ich den ganzen Tag hin und her geschleudert wurde. Die Internen Selbstgespräche haben mich in den Wahnsinn getrieben. Mein Physischer Körper hat sich wie 100 angefühlt. Meine Bewegungen waren langsam und der Widerstand war mein ständiger Begleiter. Eigentlich möchte ich den heutigen Tag nicht noch ein mal wiederholen. Und auch nicht meine Routine aufrechterhalten. Es ist Zeit, diesen Punkt im Schreiben zu begegnen.

Eins ist klar, ich bin Bewusstsein und doch nicht einmal das, im Sinne von dem Bewusstsein nicht ebenbürtig, ich unterliege dem Bewusstsein. Ich kann meine Morgenroutine sogar als Maßstab nehmen und daraus meinen Prozess ableiten. Zur Zeit gibt es in mir nicht mal ein Quentchen Selbst-Bestimmung, weder ein Selbst, noch eine Bestimmung. Mir ist schon klar, dass mich diese morgendliche Routine jeden verdammten Morgen mit und als mein Bewusstsein ausrichtet, ich generiere die Grund-Energie, die mich durch den Tag hindurch bringt. Ich habe es heute gewagt zu rebellieren, habe getrotzt — dies alles reicht nicht aus. Dem Bewusstsein ist es schnuppe woher und wie ich diese Energie generiere, mein Bewusstsein hat mir gezeigt, wer der Herr im Haus ist. Und trotzdem ist die Intensität meiner heutigen Erfahrung auch ein Zeichen dafür, dass hier ein Kampf begonnen hat, dass ich an der ‘richtigen’ Stelle bin, dort wo’s ‘weh tut’ sozusagen. Es ist doch so, dass die ‘Stimmung’ mit der wir morgens aufwachen uns selten am Tag verlässt, die ‘Färbung’ bleibt den ganzen Tag über bestehen. Wenn ich zum Bespiel später am Tag streite oder einen Konflikt erlebe – wenn ich mir in Selbst-Ehrlichkeit diese Situation betrachte, war der Streit oder Konflikt gewissermaßen vorprogrammiert, meine ‘Laune’ war schon entsprechend, ich habe nur auf den ‘richtigen Auslöser’ gewartet.

Ich habe geleugnet, ignoriert, nachgegeben, verschoben, gehofft, gebeten, aufgegeben, nun auch getrotzt und rebelliert — nichts davon hilft. Nicht ein bißchen.

Schreiben ist die einzige Kur.



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