Tag 286 – Entscheidungs-Paranoia (6) Der ‘Zweifler’ in mir

30. September 2013

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Ich möchte einen nächsten Punkt meiner Paranoia ablaufen. In meinem Leben wußte ich nie ‘wer ich bin’. Immer wieder stand ich vor der Frage ‘was will ich’, ‘was soll ich machen’. Mein Leben ist durchzogen von Internen Konflikten und ‘falschen’ Entscheidungen. Das interessante an meinen ‘falschen Entscheidungen’ ist, dass ich den Zusammenhang zwischen meinen ‘Gedanken-Welten’ und ihrer ‘Macht’ verkannt habe. Mit war nicht klar, dass meine ‘Gedanken’ in ihrem ‘Wesen’ mich widerspiegeln und diese ‘Spiegelung’ tatsächlich ‘real’ geworden ist – als die Physische Wirklichkeit. Es ist nicht so, dass ich in eine Welt hineingeboren wurde, die voller ‘Kreuzungen’ ist. Die ‘Kreuzungen’ – das BIN ICH. Ich bin ein wandelnder ‘Zweifler’. Das Wort ‘ZWEIfel’ beinhaltet interessanter Weise das Wort ‘2’. Es gibt separierte gespaltene Wesenheiten in mir, die im Konflikt miteinander stehen, und ‘ich’ kann mich nicht entscheiden – dabei gibt es eigentlich auch kein ‘ICH’ – dieses ‘Ich’ ist sozusagen die Summe der ZWEI-fel.

Ich habe glücklicher Weise als Teenager immer ein Tagebuch geführt, mal mehr geschrieben, mal weniger. Dies erlaubt mir in die Vergangenheit zu blicken und festzustellen, dass ‘Erwachsenwerden’ eigentlich ein Prozess der Spaltung ist. Als Kinder lernen wir Autoritäten zu akzeptieren. Als Teenager fangen wir an diese Autoritäten zu hinterfragen – wir tun das als ‘Gedanken-Muster’. Wir fangen an in unserem Bewusstsein ‘Simulationen’ zu starten, ohne zu realisieren wie wir ‘Schein-Ich’s kreieren, um zu schauen welches ‘Ich’ am erfolgreichsten ist um letztendlich selbst zu jener Autorität zu werden, gegen die wir rebelliert haben. Haben wir dann ein ‘Ich’ gefunden, das uns gefällt, verfestigen sich unsere Ansichten, wir haben eine gefestigste ‘Meinung’ zu allem und jedem, wir glauben angekommen zu sein — wir sind zu unseren Eltern – den Älteren geworden.

Ich dagegen bin nie angekommen. Bin als Mutter und Ehefrau gescheitert. Ich wußte nicht was ich will. Ich wollte eine Ehefrau sein, wollte Mutter sein, wollte keine Ehefrau sein, wollte keine Mutter sein. Ich war katholisch, bin zum Islam konvertiert, habe Eckhart Tolle zugehört und Rumi gelesen. Habe dies und jenes ausprobiert. Und jede anfängliche Begeisterung hat sich in Enttäuschung aufgelöst.

Ich bin ein ‘Zweifler’. Mein Leben ist das Ergebnis eines zweifelhaften Wandels. Das ‘Problem’ ist also NICHT eine komplizierte Welt, die uns ständig Entscheidungen abfordert. Wir sind das ‘Problem’. ‘ICH’ bin das ‘Problem’. Ich weiß nicht was ich will, weil ich nicht weiß wer ich bin.

Ich dachte, dass Bewusstsein die Quelle meines Ich’s ist. Doch wie viele ‘Ich’s bietet mir das Bewusstsein – Zehn? Hundert? womöglich Tausend? Ich habe einige davon ausgelebt und verkörpert. Zu mir SELBST haben sie mich nicht geführt. Das Bewusstsein ist gewissermaßen die Manifestation der Spaltung. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Meinung, ist eine separierte ‘Wesenheit’, ein Stückchen meiner Selbst – Ich erlebe mich zerstückelt. Es ist also vorprogrammiert, dass wenn ich mich als Bewusstsein auslebe und verkörpere, ich niemals die Gesamtheit meiner Selbst in Einheit und Gleichheit erfahren und erLEBEN kann.

Die Paranoia ist demnach die Illusion ich könnte mich in Gedanken-Welten aufspalten — und ZWEI-feln. Das ZWEI-feln findet immer nur in meinem Kopf statt. Mein Physischer Körper hat sich noch nie aufgespalten. Würde er das auch so tun, wäre ich sofort tot.



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