Tag 278 – Nächte der Verzweiflung

4. September 2013

http://www.deviantart.com/art/desperation-53184641

Ich bin im Laufe der Zeit zu einem Meister der Verdrängung und Unterdrückung geworden. Ich reagiere auf bestimmte Aussagen/Worte, jedoch unterdrücke ich meine Reaktion und speichere sie gewissermassen ab. Innerhalb dieser Augenblicke will ich mir meine Reaktion nicht eingestehen, will sie nicht wahrhaben. All dies findet in einer unglaublichen Geschwindigkeit statt. Ich erlebe die Reaktion und die Verdrängung praktisch simultan. Ich habe mich innerhalb dieses Prozesses so automatisiert, dass die Reaktion und die Verdrängung zu einem einzigen ‘Erlebnis’ verschmolzen sind. Und diese Tatsache macht es mir so schwer dieses Verhaltensmuster zu korrigieren, weil ich innerhalb dieser Geschwindigkeit immer diesen Punkt ‘scheiße, nun ist es schon wieder ‘zu spät’ erlebe. Und dann kreiere ich eine zusätzliche Emotionale Schicht der Selbst-Verurteilung. Es ist oft am Abend bzw. in der Nacht, wenn ich meinen Tag abschließe, keine Aufgaben mehr anstehen und ich sozusagen bereit für die Nachtruhe bin, dass diese Unterdrückten Erlebnisse wieder auftauchen. Immer wieder spule ich dann das Erlebnis vor und zurück, und stelle mir vor, was ich hätte anders machen und wie ich hätte anders reagieren sollen. Auf diese Weise kreiere ich immer wieder die sogenannten ‘Nächte der Verzweiflung’ für mich. Und das faszinierende ist, dass ich dieses Muster schon ziemlich lange fahre, aber NIE habe ich auf eine andere Weise reagiert oder gehandelt. Meine Verhaltensweise hat sich nie verändert. Eine Korrektur nie stattgefunden, viel mehr habe ich durch diese Herangehensweise eben dieses Verhaltensmuster entwickelt und automatisiert.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe Angst vor meinen Reaktionen zu haben, Angst davor mich mit meinen Reaktionen zu ‘verraten’, das was in mir vorgeht, für die ‘Anderen’ sichtbar zu machen.

Darin vergebe ich mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, dass die ‘Anderen’ in meinem Kopf/Bewusstsein eine Illusion ist, eine Spiegelung, die ich für mich erschaffen habe, damit ich verleugnen kann, dass ich im Grunde als Bewusstsein meine Reaktionen für mich Selbst unsichtbar mache bzw. machen will.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe Angst davor zu haben, dass ich mit meiner Reaktion ‘etwas’ in Bewegung setzen könnte, etwas was ich nicht mehr ‘kontrollieren’ kann, sprich ich habe Angst widerrum eine Reaktion in dem ‘Anderen’ zu ‘provozieren’.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe den Unterdrückungs-Mechanismus entworfen und entwickelt zu haben, weil ich Angst vor Konflikten habe, und so habe ich geglaubt, dass ich meine Reaktionen einfach unterdrücken kann, sie für mich Selbst ‘unsichtbar’ machen kann, ohne zu realisieren, dass wenn ich etwas erschaffe — es nicht einfach so ‘verschwindet’, wenn ich so tue, als ob ich es nicht sehen kann.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe niemals den Ursprung der Reaktion als mich Selbst untersucht zu haben, weil die Angst vor Konflikten als Basis dieser Unterdrückung/Verdrängung ganz deutlich aufzeigt, dass ich versteckte Begehren/Absichten hege.

Ich realisiere hier, dass sogar die Angst eine Reaktion in den ‘Anderen’ zu ‘provozieren’ eine Verdrehung ist, eigentlich ist es die Angst davor mein Selbst-Interesse zu verlieren und meine ‘Absichten’ zu offenbaren und so kreiere ich diese Lüge, um vor allem mich Selbst zu täuschen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, wie ich mit diesem Verhaltensmuster ‘Futter’ für mich als Bewusstsein kreiere, damit ich in Zeiten, wie zum Beispiel am Abend oder in der Nacht, wo ich zur ‘Ruhe’ kommen könnte, mich damit weiter beschäftigen und noch weitere Energie generieren kann.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzteptiert und mir erlaubt habe nicht zu realisieren, dass Angst vor Konflikten, wenn sie ‘ausgelebt’ und ‘verkörpert’ wird, nichts anderes erschafft als KONFLIKTE — und weil ich es als ein separiertes Mind-Bewusstseins-System/Kontainer mache, sind es eben Selbst-Konflikte — meine ‘Nächte der Verzweiflung’, wo ich in der abgespeicherten Erinnerung immer wieder den Konflikt für mich und als mich simuliere. Ich übe mich immer wieder als Bewusstsein an diesem Konflikt und so ist es kein Wunder, dass sich mein tatsächliches Verhalten nie verändert hat, denn ich habe mich NIE in der REALITÄT geübt, und habe das Erlebnis auf ein ‘später’, wenn ich mit mir (als Bewusstsein) alleine bin, verschoben.

Ich realisiere, dass es ebenfalls illusorisch ist, zu glauben, ich könnte einfach so mein Verhalten/mich Selbst ändern. Ich werde genau so lange in der Realität üben müssen, bis ich eine gewisse ‘Fertigkeit’ und ‘Übung’ erreiche und letztendlich so weit selbst gewahr werde, dass ich Reaktionen von vorne vorbeugen kann.

Ich verpflichte mich, mich in diesen Situationen nicht selbst zu verurteilen, und nicht diesen Moment ‘Scheiße, nun ist es schon wieder zu spät’ zu manifestieren. Ich verpflichte mich, Geduld mit mir Selbst zu haben, das Schreiben zu nutzen, mich innerhalb der Prozesse zu verlangsamen, die unterdrücken Punkte/Emotionen zu entlarven und mir die Limitationen selbst zu vergeben.

Ich verpflichte mich, einen konstruktiven Weg einzuschlagen und das Selbst-Schreiben als eine Lösung zu etablieren und zu verwenden und mich darin zu bemächtigen anstatt mich Selbst zu verurteilen.

Ich verpflichte mich, nicht mehr Teilzuhaben an den ‘Nächten der Verzweiflung’, dh. es nicht mehr zu versuchen, diese Konflikte/unterdrückte Momente im und als Bewusstsein zu verarbeiten. Ich realisiere, dass ich es oft genug gemacht habe um es als bewiesen zu sehen, dass dieser Weg zu keiner Lösung führt. Die ‘Nächte der Verzweiflung’ sind pure Selbst-Qual, die praktisch selbstverständlich und vorprogrammiert ist, weil wie könnte ich innerhalb meiner Erinnerungen die Vergangenheit ändern?

Ich realisiere, dass ich meine Selbst-Anwenung komplett ändern und neuausrichten muss — die Selbst-Definitionen, die Begehren und Ängste bis auf den Grund entlarven muss — sodass ich Reaktionen von vorne vorbeugen kann und diese Unterdrückung nicht mehr ein Teil meiner Realität ist und ich in Einheit und Gleichheit als mich Selbst immer selbst-bestimmend und selbst-bewegend in meinem Ausdruck bin.



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