Tag 257 – Schreiben für mich

15. Juli 2013

http://browse.deviantart.com/art/self-54930033

Im Dezember letzen Jahres habe ich die Entscheidung getroffen, meine Süchte abzulaufen. Alle. Und doch sehe ich heute, dass es ein bloßes Ablekungsmanöver war, um die Eine Sucht noch für eine Weile zu behalten. Sie hinter all den anderen zu verstecken. Sie als letzte abzulaufen. Eine Hintertür miteingebaut, weil ich vor vorne herein ‘weiss’, dass ich nicht das Durchhaltevermögen haben werde, sie tatsächlich der Reihe nach abzulaufen, und so werde ich diese spezielle Sucht noch eine Weile mehr behalten können.

Es ist faszinierend, welche Mühen ich als das Bewusstsein auf mich nehme, um mir ‘plausible’ Erklärungen auszudenken. Ich habe dieses Kommitment tatsächlich vergessen und verdrängt und lebe so, als ob es nie existert hätte.

Mir ist klar geworden, dass wenn ich diese Sucht als nächste durchlaufe, ich mir einen langen schmerzhaften Weg ersparen kann, denn nichts ist schmerzhafter als die Folgen von Entscheidungen die nicht am Besten für alle waren/sind. Eine Sucht, ist eine krasse Selbst-Limitation. ‘Ich kann nicht ohne..’ Wenn ich auch nur im winzigsten Teil meines Selbst diese Aussage als eine Selbst-Definition zulasse und erlaube, zerstöre ich die Möglichkeit das Vollkommene Einheit und Gleichheit des Lebens als mich Selbst zu realisieren. Ich behaupte, dass Ich-Selbst nicht ausreichend, unvollkommen und fehlerhaft bin, und ich das NICHT ändern kann — Ich kann mich nicht ändern. Doch alleine logisch betrachtet: Ich wurde nicht ‘süchtig’ geboren. Irgendwann mal, im Laufe meines Lebens bin ich süchtig geworden, habe die Sucht in mich programmiert und sie zu einem Teil meines Selbst gemacht. Genauso bin ich fähig mich gewissermassen zu ‘entprogrammieren’.

Ich werde diese Sucht nicht benennen. Eine Sache ist mir klar geworden. Bei der Sucht geht es nicht um eine Substanz, einen Menschen, eine Vorliebe oder ähnliches, es geht um das Verhältnis, das wir innerhalb von uns selber aufgebaut haben. Die Substanz, Mensch, Sache oder Erlebnis sind wie Rohlinge, die wir selbst befüllen, sie dienen uns als Trittbretter das Fehlerhafte ich zu akzeptieren und zu erlauben. Die Fundamente unserer Gesellschaft sind darauf aufgebaut, uns täglich mit Informationen und Wissen abzufüllen und uns glauben zu lassen: Dass es OK ist, nicht vollkommen zu sein. Es gibt Tabletten, Make-up, Drogen, Frisöre, Fashion, Diäten, Schönheitschirurgen, die unserer Fehlerhaftigkeit zur Seite stehen. Und von klein auf lernen wir nichts anderes als das ‘Fehlerbehaftete Ich’ als uns Selbst zu akzeptieren und zu erlauben.

Ich realisiere, dass ich es immer wieder vor mich hingeschoben habe, diese Sucht in meinem Blog zu thematisieren und darüber zu schreiben, warum auch immer, aber vor allem weil ich Angst habe ‘öffentlich’ zu scheitern. Deshalb vergebe ich mir zu aller erst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe diesen Blog nicht für mich Selbst in erster Linie zu schreiben, sondern immer nur durch die Augen der ‘Anderen’, die es lesen könnten, so dass ich jedem Thema aus dem Weg gegangen bin, von dem ich glaubte, dass es mich nicht ‘gut aussehen’ lassen könnte. Und so habe ich all die Themen ausgelassen, die eigentlich die Wesentlichen in meinem Prozess sind. Ich realisiere, dass dies eine bloße Ausrede ist, und ich ohne Gewahrsein mir Selbst das Geschenk, das Selbst-Schreiben mit sich bringt, vorenthalten habe und mich so in meinem Prozess Selbst behindert habe.
Ich verpflichte mich, meine Reise ins Leben für mich Selbst als mich Selbst zu beschreiten, und falls ich Themen in Angriff nehme, die mir zu persönlich erscheinen, weil sie ggf. eine Platform für Missbrauch eröffnen, einfach nicht zu publizieren, weil ich sehe, erkenne und verstehe, dass ich diese Reise in erster Linie für mich Selbst als mich Selbst beschreite und ich hierbei keine Kompromisse machen sollte, weil sie letztendlich Hintertüren des Bewusstseins sind — als Ausreden und Rechtfertigungen — und ich diese Reise nicht so effektiv wie mir möglich ist beschreite.



1 comment

  1. Auf diesen Punkt bin ich letztlich auch gekommen… es ist einfach ’selbst-betrug‘ wenn ich mich von meinen Rationalisierungen nicht trennen will um der einzigen, notwendigen Entscheidung aus dem Wege zu gehen.

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