Tag 246 – Denken, Selbst-Ehrlichkeit und Schreiben

11. Juni 2013

 

http://society6.com/artstudio/Crazy-Mind_Print/

Das unglaublich faszinierende an ‚Denken‘ ist, dass wir uns dessen NICHT gewahr sind was wir ‚Denken‘. Mit ‚Denken‘ meine ich all die Prozesse die in unseren Köpfen stattfinden – die Internen Selbstgespräche, aber auch Gefühle und Emotionen, die wir generieren, oder aber auch Fantasien, die wir uns ausmalen, wenn wir uns unsere Zukunft vorstellen, oder auch wenn wir vergangene Momente als Erinnerungen wieder abrufen. Ich habe zum Bespiel entdeckt, dass wenn ich ‚denke‘ alle meine Gedanken mir ‚richtig‘ und ‚gerechtfertigt‘ vorkommen. Alles was ich denke kommt mir ‚gut‘ vor. Doch wenn ich meine ‚Gedanken‘ ausschreibe, die Sätze und die Wörter die in mir so auftauchen, kommt auf dem Papier bzw. in einem Schreibprogramm eine Böswilligkeit zu Tage, die ich mir nie eingestanden habe – schwarz auf weiss – materialisiert sich die Teuflische Seite meiner Selbst. Erst durch das Ausschreiben meiner ‚Gedanken-Prozesse‘ bin ich in der Lage zu sehen, zu erkennen und zu verstehen, wie das Bewusstsein ‚arbeitet‘, wie ich mit Ausreden, Rechtfertigungen und Schönmalerei mir alles so zu recht rücke, dass ich mir Selbst wie ein ‚Gott‘ vorkomme und alle anderen sind ‚falsch‘. Und das ist (m)eine unglaubliche Entdeckung, dass zb. eine Rechtfertigung, die ich als Bewusstsein total ‚richtig‘ ‚empfinde‘, mit all den Begründungen die ich mir in meinem Kopf zurecht bastle, eigentlich ein Inneres Täuschungsmanöver ist, mit dem ich mich Selbst belüge – Ich rede mir ein, ich habe ‚Recht‘ – und wie das Wort schon sagt – Rechtfertigung – fertige ich mir MEIN Recht an.
Wenn wir von unseren ‚Denk-Fähigkeiten‘ reden, beziehen wir uns oft auf Aristoteles, Platon oder Kant, Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler uä. Doch wie oft haben wir tatsächlich so eine Art von Gedanken. Hätte sich jemals einer mal im Detail seine täglichen ‚Gedanken‘ angeschaut, würde er feststellen, dass wir meistens diese ‚Fähigkeit‘ nutzen um zu Verurteilen, Bewerten, eine Meinung bilden, uns zu vergleichen, zu lästern, uns selber oder andere zu glorifizieren, uns selber oder andere schlecht zu reden usw. – nichts davon ist auf irgendeine Weise ‚gut‘ – 99% unserer Gedanken sind absolut destruktiv.
Und das ist der ganze Trick mit dem Bewusstsein. Wir denken, wir glauben ‚Denken‘ sei DIE Sache, die uns definiert, wir glauben denken sei uns angeboren, denken sei eine Leistung und unser Stolz, eine Herausragende Eigenschaft eines ‚göttlichen‘ Wesens. Doch hat nur jemand mal seine Wahren Gedanken ausgeschrieben, würde er sehen, dass die Grundlage von Gedanken eigentlich nur Böswilligkeit ist: Neid, Vorwurf, Verurteilung, Niederträchtigkeit, Hass – die wir dazu nutzen uns selbst hervorzuheben, als das Gegenteil von all dem zu ‚präsentieren‘. Echte Liebe und Zuneigung sind niemals die wahren Motivatoren unserer Gedanken. Wenn man sie tiefer erforscht, und wie gesagt, diese Gedanken ausschreibt, stellt man schnell fest, dass sie blosse Täuschungsmanöver sind, unser Selbst-Interesse als etwas ‚Gutes‘ zu verkleiden. Nur selten, spricht jemand aus, was er wirklich denkt.
Gelegentlich, wenn wir über andere mit Gleichgesinnten lästern, lassen wir ein wenig von der Böswilligkeit in die Welt passieren, doch sind wir nicht selten soweit von dem Wahn ‚Recht zu haben‘ besessen, dass wir uns dessen nicht mehr gewahr sind, was wir da eigentlich tun – das Vermögen uns in die Person zu versetzen, über die wir gerade ’schlecht‘ reden, ist praktisch ‚ausgeschaltet‘.
Das Schreiben ist das einzige Werkzeug mit dem wir unsere ‚Gedanken‘ tatsächlich als das Sehen können, was sie wirklich sind. Mit dem ‚Denken‘ selbst werden wir niemals ‚Denken‘ ergründen können. Ein Gedanke ist ein Gedanke ist ein Gedanke – eine ständige Rechtfertigung und Manipulation. Man kann Gedanken keinen Meter trauen. Sie sind flüchtiger als Diebe in der Nacht. Können Sie sich noch in Einzelheiten daran erinnern, was sie vor 10 Minuten gedacht haben? Können Sie den Gedanken exakt so wiederholen, wie er vor 10 Minuten stattgefunden hat? Ist das nicht merkwürdig? Das Schreiben ist ein Physischer Vorgang, der einem tatsächlich erlaubt, die Flüchtigkeit der Gedanken zu ‚verlangsamen‘ und festzustellen, dass wir uns sehr wohl darüber gewahr sind, was wir so denken. Wir wollen es uns nur Selbst nicht eingestehen. Das Schreiben ist somit auch der Erste Schritt zur Selbst-Ehrlichkeit, es offenbart den Willen zur Selbst-Erkenntnis und es belohnt mit unglaublichen Realisationen.
Seitdem ich (fast) täglich meine ‚Gedanken-Prozesse‘ ausschreibe, hat sich mein Leben ziemlich verändert. Ich habe festgestellt, dass nichts von dem, was ich glaubte, dass es ‚real‘ ist, tatsächlich ‚physisch‘ existiert. Ich bin ein Phantom in einer selbsterbauten Phantom-Welt. Und doch habe ich durch die Akzeptanz und die Billigung mich innerhalb dieser Gedanken-Prozesse selbst zu definieren, diese Phantom-Welt ‚real‘ gemacht, mein ganzes Wesen wird davon ‚beeinflußt‘ und ‚gesteuert‘. Dieses zu korrigieren und es wieder ‚lebendig‘ machen, wird kein einfaches Unterfangen. Es ist eine Reise, die sich bis dato nur wenige trauen auf sich zu nehmen – Es ist eine Reise ins Leben – Ein Prozess, bei dem wir uns verpflichtet haben 7 Jahre lang, täglich unsere Gedanken auszuschreiben, und mit dem Schreiben zur Selbst-Ehrlichkeit zu gelangen um von da aus, das Selbst neuauszurichten, all die Manipulationen, Rechtfertigungen, Lügen, Schönmalereien zu entlarven, sie uns selbst zu vergeben und uns nach einem Neuen Prinzip: ‚Das Beste für Alle‘ auszurichten.
Diesen Prozess kann man nur für einen Selbst ablaufen. Man kann niemandem eine ‚Vorstellung‘ davon geben. Jeder ‚Gedanke‘, ‚Meinung‘ oder ‚Bewertung‘ – ohne dass man es für sich Selbst getestet und versucht hat – wird immer innerhalb des ‚Bewusstseins‘ verankert sein und eine ‚automatische‘ Ablehnung kreieren, oder irgend eine Form von Rechtfertigung, warum es nicht das Richtige, zur falschen Zeit oder gerade ’nicht wichtig‘ ist. So funktioniert das Bewusstsein – ohne Selbst-Ehrlichkeit gibt es keine Möglichkeit, dies für einen zu Realisieren, und ohne Schreiben ist Selbst-Ehrlichkeit nicht möglich. Das ist die Erste Hürde, die viele nicht begreifen. Es ist die Erste und doch eine immerwährende, denn sie begleitet einen fortan, nur dass man sich dessen gewahr wird und diese ‚Hürde‘ nicht mehr als sich Selbst akzeptiert und erlaubt, so dass man sich über diese ‚Hürde‘ hinauswagen kann – und wie gesagt, die Belohnung bleibt nicht aus – Ein Neues LEBEN.
 



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