Tag 180 – Fingernägelkauen (1)

18. Februar 2013

 

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Das Fingernägelkauen ist vielleicht die am meisten von mir ‚gehasste‘ Angewohnheit. Ich würde es auch nicht unbedingt ‚Angewohnheit‘ nennen, es ist ein Teil von mir, es ist ein ‚Charakter‘ von mir geworden. Ich habe in meinem Leben unzählige male versucht damit aufzuhören, und bereits in diesem Blog darüber geschrieben. Deshalb möchte ich mit dieser Sucht beginnen und mich hiermit verpflichten, diesen Punkt anzunehmen und ihn bis zum Schluss zu laufen – beginnend mit den 21 Tagen, an denen ich meinen Fokus auf das Fingernägelkauen legen werde, um all die Dimensionen und Beziehungen abzulaufen, die ich innerhalb dieses Verhaltensmusters geschaffen habe.

Mir ist klar geworden, dass heute der Wille als ein Statement ‚Ich höre auf mit dem Fingernägelkauen‘ leider nicht ausreichend ist, um damit aufzuhören. Solange ich nicht alle damit verbundenen und verknüpften Bewußtseins/Mind-Dimensionen entlarve und als mich Selbst korrigiere, wird es ein ‚leeres Versprechen‘ bleiben. Ich muß in der Zeit zurück gehen und mich wieder erinnern, wie ich dieses Muster als mich programmiert habe, ich muß die einzelnen Schritte zurückverfolgen und meine Akzeptanzen und Billigungen erkennen, damit ich sie als mich Selbst wieder neuausrichten kann.

Ich beginne mit der frühesten Erinnerung, die ich im Zusammenhang mit dem Fingernägelkauen abgespeichert habe. Es ist eine Erinnerung aus meiner frühen Kindheit. Meine Mutter hatte mich gestreichelt, ich weiß den Zusammenhang der Situation nicht mehr. Ich kann mich aber im Detail daran erinnern, dass mir die Berührung äußerst ‚unangenehm‘ war, weil die Fingerspitzen meiner Mutter ganz rauh waren und sie wie Schmirgelpapier über meine Haut strichen. Ich habe die Hand meiner Mutter weggeschoben und auf diese Berührung reagiert. Es war nicht so, dass ich eine ‚fertige‘ Definition bzw. eine Meinung vom bzw. zum Fingernägelkauen hatte, ich weiß aber, dass ich mich gefragt habe, warum meine Mutter sich das ‚antut‘, warum macht sie, dass ihre Hände so ‚rauh‘ und ‚häßlich‘ sind. Meine Mutter nahm die Zurückweisung persönlich und dachte, ich sei böse auf sie, ich aber unterließ es ihr zu sagen, warum ich eigentlich reagiert habe, dass mir die Berührung ihrer ‚rauhen‘ Hände unangenehm war, und nicht die Berührung selbst. Ich erkenne auch, dass bereits zu diesem Zeitpunkt ich eine ‚unklare‘ und ‚konfliktreiche‘ Beziehung zu meiner Mutter hatte, denn wenn ich mich in diese Situation reinversetze, sehe ich bereits existente ‚Vorurteile‘, die ich gegen meine Mutter hatte. Dieses Muster, dass sie auf mich böse war bzw. mir ein Verhalten zum Vorwurf machte, und der daraus resultierende ‚Machtkampf‘ war nicht neu. Doch dieser Punkt ist eine andere Geschichte.

Es ist erstaunlich, dass ich heute – viel älter als meine Mutter damals war (das muss man sich mal vor Augen führen!) – genau zu dem geworden bin, was ich als Kleinkind so ‚verurteilt‘ habe. Ich habe die ‚rauhen‘ und ‚häßlichen‘ Hände meiner Mutter. Oder ist es in Wahrheit doch so, dass ich ohne die Kenntnis über die Details der Mechaniken des Bewußtseins/Consciousness, genau zu der ‚Person‘ geworden bin, die ich nie werden wollte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe mich mit der in-mir aufsteigenden Negativen Emotionalen Reaktion auf die ‚rauhen‘ Hände/Fingerspitzen meiner Mutter zu identifizieren und so, diese Reaktion als mich Selbst zu verkörpern und weiter auszubauen, in der ‚Verurteilung‘ der ‚rauhen‘ Hände/Fingerspitzen als ‚unangenehm‘, ‚häßlich‘, ‚falsch‘, ’negativ‘ etc.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe abgekaute Fingernägel und die daraus resultierenden ‚rauhen‘ Fingerspitzen als ‚absolut häßlich‘ zu verurteilen, ohne realisiert zu haben, wie ich einen Emotionalen Balast für immer in-mich und als-mich ‚abspeichere‘ und faktisch das Gegenteil davon tue, was ich beabsichtigt habe – ich habe geradezu dieses ‚Verhalten‘ in-mich und als-mich abgespeichert und ein späteres ‚Verhaltensmuster‘ vorprogrammiert – denn wann immer ich mich später ’schlecht‘, ‚häßlich‘, ‚falsch‘ etc. selbst empfunden habe, habe ich auf diese Verknüpfung / Bewußtsein/Mind-Beziehung zurückgegriffen und meine Nägel gekaut.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht sehen, erkennen und verstehen zu wollen, dass das ‚Vorurteil‘, dass ich auf meine Mutter projeziert habe, im Grunde eine Beziehung war, die ich mit und als mich Selbst einprogrammiert habe – Ich habe mich in Separation innerhalb von ‚Häßlichkeit‘, ‚falsch‘, ‚unangenehm‘, ‚Deplatziertheit‘ Selbst definiert und all dies mit ‚Fingernägelkauen‘ verknüpft, sodaß wenn ich später im Leben ähnliche Emotionale Reaktionen oder Erfahrungen durchlebte, ich völlig automatisiert auf dieses Verhaltensmuster des Fingernägelkauens zurückgegriffen habe.

Ich erkenne, sehe und verstehe, dass ich die in-mir und als-mich existente ‚Verurteilung‘ von Fingernägelkauen völlig loslassen muss und all die ’negativen‘ Energien darin, damit ich mir überhaupt die Chance und Möglichkeit schenken kann, mich aus diesem Zwang zu befreien.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es akzeptiert und mir erlaubt habe nicht sehen, erkennen und verstehen zu wollen, dass der ‚Haß‘ und der ‚Widerstand‘ die ich gegen das Fingernägelkauen selbst entwickelt habe, niemals und nichts ändern werden, sondern viel mehr das sprichwörtliche Löschen eines Feuers mit Benzin ist, weil eine Emotionale Reaktion auf eine Emotionale Reaktion lediglich weitere Emotionale Schichten erschafft.

Ich verpflichte mich damit aufzuhören mich (aber auch alle anderen als mich selbst) als ein ‚Fingernägelkauer‘ zu verurteilen, denn ich erkenne, dass dieses Vorurteil mein eigenes ‚Gefängnis‘ kreirt hat, weil es nicht nur ein Vorurteil sondern auch eine Selbst-Definition ist, an der ich mit dem Vor-Urteil festhalte und mir so eine Veränderung wörtlich abspreche und verweigere.

Ich verpflichte mich, mich dabei zu unterstützen und zu fördern dieses Zwangsverhalten als mich Selbst zu stoppen, und wann immer sich meine Finger automatisiert Richtung Mund bewegen – ‚HALT‘ zu sagen und mir zu erlauben zu realisieren, dass ich selbst-bestimmend in jedem Atemzug entscheiden kann ‚WER ich bin‘ und was ich bereit bin zu akzeptieren und zu erlauben und was NICHT.

Ich verpflichte mich, die erste Erinnerung an das Fingernägelkauen loszulassen, was nicht bedeuetet dass ich sie vergesse, sondern die Energien darin aufzulösen, damit sie mich in Zukunft nicht beherrschen und kontrollieren. Denn ich habe völlig ohne Gewahrsein, immer wieder meine Vergangenheit wiederholt und zum Leben erweckt, ohne jemals wahrhaft hier als mich Selbst als das Physische zu stehen und in Selbst-Verantwortung und Selbst-Ehrlichkeit entscheiden zu können, was das Beste für mich ist.

Ich verpfliche mich das Verhaltensmuster des Fingernägelkauens in allen seinen Dimensionen abzulaufen und alle darin enthaltenen Energien aufzulösen, damit ich mich innerhalb und als dieses Muster neuprogrammieren und ändern kann und selbst-bestimmend entscheiden kann, welches ‚Muster‘ ich leben will und welches nicht.



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