Tag 86 – Der ‚Ich hasse Putzen‘-Charakter

8. Oktober 2012

Ich bezeichne mich selbst als faul. Ich verschiebe gerne jede Putz- oder Aufräumtätigkeit. In diesem Blog möchte ich über meinen Widerstand, den ich in Bezug zum Putzen aufgebaut habe, schreiben.

Ich habe bereits in der Vergangenheit über meine Faulheit bzw. meinen Widerwillen zu Putzen geschrieben (Tag 10 – dreckige Küche), ich habe jedoch nicht die Ursache meiner ‚Ich hasse das Putzen‘-Persönlichkeit erfasst, den Ursprung dieser Reaktion. Und so habe ich nicht wirklich aufgehört als diese Persönlichkeit zu existieren.

Wenn ich ans Putzen verbunden mit meinem Widerwillen denke, fällt mir meine Beziehung zu meiner Mutter als allererstes ein. Als ich 7 Jahre alt war und eingeschult wurde, kaufte mir meine Mutter einen Schreibtisch und passende Regale. Ich kann mich an die Freude und Aufregung erinnern, als das Möbelstück in mein Zimmer getstell wurde. Ab diesem Zeitpunkt musste ich jeden Samstag meinen Schreibtisch und die Regale aufräumen. Die Vorgabe meiner Mutter war sehr spezifisch, ich musste alle nicht eingeschlossenen Sachen, wie z.B. all das was auf dem Regal lag, oder auf dem Schreibtisch stand, entfernen, nass durchwischen, und die Sachen wieder ordentlich und geordnet hinstellen.

Mit der Zeit baute sich langsam der Widerwille gegen das Putzen auf, und wenn ich tiefer hineinschaue, sehe ich dass es gar nicht so sehr ums Putzen selbst ging, viel mehr war es die Tatsache, dass ich gezwungen wurde zum Putzen. Ich selbst habe überhaupt nicht die Notwendigkeit zum Putzen und Aufräumen gesehen. Für mich war es schlichtweg ein Machtspiel zwischen meiner Mutter und mir. Ich hasste es also viel mehr gezwungen zu werden, als das Putzen selbst. Ich habe später das Putzen mit den negativen Empfindungen verknüpft, und diesen Widerwillen zum Putzen entwickelt.

Meine eigene Selbst-Definition ‚faul‘ oder ‚unodentlich‘ zu sein, basiert auf den Bewertungen meiner Mutter. Es ist schon faszinierend, dass keine von uns erkannt hat, dass es im Grunde der Sache NICHT ums Putzen selbst ging, sondern damit, dass ich nicht zu etwas gezwungen werden wollte. Meine Erfahrung mit Putzen hätte eine ganz andere sein können, wenn ich das Putzen in einem anderen Kontext kennengelernt hätte, wenn es mit nicht aufgedrückt worden wäre.

Ich habe auch eine ‚positive‘ Erinnerung mit Putzen. Wir hatten im Wohnzimmer eine Vitrine mit verschiedenen Gläsern drin, ich kann mich erinnern dass es mir Spaß gemacht hat, diese Vitrine ein, zweimal im Jahr zu säubern. Ich habe alle Gläser rausgenommen, und sie in einer Schüssel Wasser gespült und poliert und anschließend neu geordnet und neu aufgestellt, dieser Part machte mir besonders Spaß.

Fortsetzung folgt…



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